Verfahrensbeschreibungen & Dienstleistungen

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Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen - steuerliche Berücksichtigung

Der Fiskus fördert seit dem Veranlagungszeitraum (VZ) 2003 haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen durch Steuerermäßigungen. Ab dem VZ 2006 wurde die steuerliche Förderung von Dienstleistungen in Privathaushalten um Pflege- und Betreuungsleistungen sowie Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen erweitert.


Zu unterscheiden ist zwischen:

  • geringfügigen Beschäftigungen beziehungsweise sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen im Haushalt
  • haushaltsnahen Dienstleistungen und Pflege- und Betreuungsleistungen
  • Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen

Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse


Der die haushaltsnahen Tätigkeiten in Anspruch nehmende Steuerpflichtige rückt bei der Einstellung eines geringfügig Beschäftigten sowie bei der Einstellung eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in die Stellung eines Arbeitgebers mit all den damit verbundenen Verpflichtungen. Bei der Tätigkeit muss ein enger Bezug zum Haushalt bestehen. Zu den Tätigkeiten gehören beispielsweise die

  • Zubereitung von Mahlzeiten im Haushalt und
  • die Reinigung der Wohnung.

Je nachdem, welche Art der haushaltsnahen Tätigkeit in Anspruch genommen wird, unterscheidet sich die steuerliche Förderung.


Bei geringfügigen Beschäftigungen 10 Prozent der Aufwendungen, maximal 510 Euro pro Jahr und bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen 12 Prozent der Aufwendungen, maximal 2.400 Euro pro Jahr.


Haushaltsnahe Dienstleistungen


Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen zählen ab dem VZ 2006 nur noch Tätigkeiten, die nicht zu den handwerklichen Leistungen gehören, gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden und für die eine Dienstleistungsagentur oder ein selbstständiger Dienstleister in Anspruch genommen wird. Darunter fallen folgende Tätigkeiten:

  • Reinigung der Wohnung (z.B. durch Angestellte einer Dienstleistungsagentur oder einen selbstständigen Fensterputzer)
  • Gartenpflegearbeiten (z.B. Rasenmähen, Heckenschneiden)
  • Zubereitung von Mahlzeiten im Haushalt und
  • Dienstleistungen für privat veranlasste Umzüge

Nicht zu den haushaltsnahen Dienstleistungen zählen:

  • personenbezogene Dienstleistungen (z.B. Hausfrisör, Podologe)
  • Leistungen von Abrechnungsfirmen für Heizungsenergie beziehungsweise Wasserverbrauch
  • Kosten für die Hausverwaltung sowie Müllgebühren
  • Wach- und Schließdienst (Objektkontrolle, Bereithalten einer Alarmvorrichtung)
  • Entrümpelung einer Wohnung im Zuge einer Haushaltsauflösung

Die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen beträgt 20 Prozent der begünstigten Aufwendungen, maximal 600 Euro pro Jahr.


Beispiel: A beauftragte im März 2006 einen Betrieb für Garten- und Landschaftspflege mit dem Schneiden mehrerer Hecken und Sträucher. Die auf der Rechnung ausgewiesenen Arbeitskosten betrugen 850 Euro. Die Bezahlung erfolgte am 29. März 2006 per Überweisung.


Die Kosten für die Gartenpflege sind im Umfang der Arbeitskosten von 850 Euro begünstigt. Die Steuerermäßigung beträgt 20 Prozent von 850 Euro = 170 Euro.


Pflege- und Betreuungskosten


Die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen wird um weitere 600 Euro auf maximal 1.200 Euro pro Jahr erhöht, wenn Aufwendungen für die Inanspruchnahme von Pflege- und Betreuungsleistungen für pflegebedürftige Personen anfallen, bei denen ein Schweregrad der Pflegebedürftigkeit der Pflegestufen I bis III im Sinne der §§ 14, 15 SGB XI besteht oder die Leistungen der Pflegeversicherung beziehen. Leistungen der Pflegeversicherung sind anzurechnen.


Beispiel: Der pflegebedürftige Vater V lebt bei seinem Sohn B im Haushalt. B hat einen mobilen Pflegedienst beauftragt. Für die regelmäßig wiederkehrenden Pflegeleistungen bezahlt B monatlich eine Abschlagszahlung von 325 Euro. Die ordnungsgemäße Jahresrechnung sowie die Überweisungsbelege der Bank fügt B seiner Steuererklärung bei. Der Vater V erhält von der gesetzlichen Pflegeversicherung ein monatliches Pflegegeld der Pflegestufe I in Höhe von 205 Euro.


Die Aufwendungen für die häusliche Pflege des Vaters von 3.900 Euro im Jahr sind begünstigt. Anzurechnen ist aber das erhaltene Pflegegeld von 2.460 Euro. Die Steuerermäßigung beträgt 20 Prozent von 1.440 Euro = 288 Euro.


Handwerkerleistungen


Ab dem VZ 2006 wurde die Abzugsmöglichkeit von beanspruchten Handwerkerleistungen in Privathaushalten erweitert. Bisher waren lediglich Handwerkerleistungen begünstigt, die typischerweise auch vom Steuerpflichtigen selbst vorgenommen werden konnten.


Die Aufwendungen für Handwerkerleistungen sind – neben dem Abzugsbetrag für haushaltsnahe Dienstleistungen – in Höhe von 20 Prozent, maximal 600 Euro pro Jahr, als Steuerabzugsbetrag zu berücksichtigen.


Zu den begünstigten, handwerklichen Tätigkeiten zählen insbesondere:

  • Arbeiten an Innen- und Außenwänden
  • Arbeiten am Dach, an der Fassade, an Garagen oder Ähnliches
  • Reparatur oder Austausch von Fenstern und Türen
  • Streichen/Lackieren von Türen, Fenstern (innen und außen), Wandschränken, Heizkörpern und -rohren
  • Reparatur oder Austausch von Bodenbelägen (z.B. Teppichboden, Parkett, Fliesen)
  • Reparatur, Wartung oder Austausch von Heizungsanlagen, Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen
  • Modernisierung oder Austausch der Einbauküche
  • Modernisierung des Badezimmers
  • Reparatur und Wartung von Gegenständen im Haushalt des Steuerpflichtigen (z.B. Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, PC)
  • Maßnahmen der Gartengestaltung
  • Pflasterarbeiten auf dem Wohngrundstück sowie
  • Kontrollaufwendungen (z.B. Schornsteinfeger, Kontrolle von Blitzschutzanlagen)

Es ist nicht darauf abzustellen, ob es sich bei den Aufwendungen für die einzelne Maßnahme um Erhaltungs- oder Herstellungsaufwand handelt.


Handwerkliche Tätigkeiten im Rahmen einer Neubaumaßnahme sind jedoch nicht begünstigt. Hierunter sind Aufwendungen zu verstehen, durch die bisher noch nicht vorhandene Wohn- oder Nutzfläche geschaffen wird, beispielsweise:

Was zählt nicht zu den Handwerkerleistungen?

  • Starthilfe beziehungsweise Reparatur eines Pkw
  • Erstellung eines Energieausweises
  • Architektenleistung für größere Modernisierungsaufwendungen

Beispiel: Die Eheleute C und D haben im Herbst 2006 die Heizungsanlage in ihrem Einfamilienhaus austauschen lassen. Laut vorliegender Rechnung betrugen die Arbeitskosten 5.800 Euro einschließlich Mehrwertsteuer. C hat die Rechnung am 15. Dezember 2006 überwiesen. Außerdem reparierte ein Hausgeräteserviceunternehmen am 30. August 2006 im Haus der Eheleute C und D den defekten Kühlschrank. Lohnkosten sind in Höhe von 50 Euro angefallen, die Anfahrtspauschale betrug 19 Euro. Die Ehefrau D bezahlte den Rechnungsbetrag in bar.


Der Austausch der Heizungsanlage ist begünstigt. Die Reparatur des Kühlschranks jedoch nicht, da die Rechnung bar bezahlt wurde. Die Steuerermäßigung beträgt somit 20 Prozent von 5.800 Euro = 1.160 Euro, höchstens 600 Euro.

Zuständigkeit

für die steuerliche Förderung von Dienstleistungen in Privathaushalten: das Finanzamt, das für Ihre jährliche Veranlagung zur Einkommensteuer zuständig ist

Voraussetzungen


Wer ist anspruchsberechtigt?


Der Steuerpflichtige muss bei haushaltsnahen Beschäftigungen Arbeitgeber und bei haushaltsnahen Dienstleistungen Auftraggeber der Dienstleistungen sein. Hierzu kann auch der Mieter einer Wohnung, eine Wohnungseigentumsgemeinschaft beziehungsweise für Heimbewohner, die im Heim einen eigenständigen abgeschlossenen Haushalt führen, zählen. Bei Pflege- und Betreuungsleistungen steht die Steuerermäßigung entweder der pflegebedürftigen Person oder deren Angehörigen zu, wenn diese für die Pflege- oder Betreuungsleistungen aufkommen.



Welche Aufwendungen sind begünstigt?


Begünstigt sind nur die reinen Arbeits- beziehungsweise Lohnkosten einschließlich der in Rechnung gestellten Maschinen- und Fahrtkosten. Materialkosten beziehungsweise gelieferte Ware bleiben außer Ansatz. Der Anteil der Arbeitskosten muss in der Rechnung gesondert ausgewiesen sein. Bei bis zum 31. Dezember 2006 erstellten Rechnungen können die Kosten im Schätzungswege aufgeteilt werden.



Wo müssen die Dienstleistungen erbracht werden?


Die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung setzt voraus, dass die Leistungen in einem inländischen Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden.



Kann die steuerliche Förderung bei Ehegatten doppelt beansprucht werden?


Haushaltsnahe Dienstleistungen können nur "haushaltsbezogen" in Anspruch genommen werden, das heißt, entsprechende Aufwendungen können nur einmal für den jeweiligen inländischen Haushalt geltend gemacht werden.



Ehegatten steht die Steuerermäßigung jeweils zur Hälfte zu, wenn sie nicht gemeinsam eine andere Aufteilung beantragen. Bei einer Zusammenveranlagung spielt die Aufteilung keine Rolle. Zwei Alleinstehende, die zusammen in einem Haushalt leben, können die Höchstbeträge der Steuerermäßigung insgesamt nur einmal in Anspruch nehmen. Hier erfolgt die Aufteilung der Höchstbeträge danach, wer die jeweiligen Aufwendungen getragen hat oder aufgrund gemeinsamer Vereinbarung.

Ablauf

Mit der Einkommensteuererklärung (Mantelbogen Seite 4) können Sie unter "Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse und Dienstleistungen" Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse beziehungsweise für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen bis zu bestimmten Höchstbeträgen geltend machen. Im Einkommensteuerbescheid werden die jeweiligen Ermäßigungsbeträge direkt von der tariflichen Einkommensteuerschuld abgezogen.


Tipp: Die Einkommensteuererklärungsvordrucke finden Sie auf dem Portal der Finanzämter zum Ausfüllen und Herunterladen.

Unterlagen

Neben der Einkommensteuererklärung sind folgende Unterlagen notwendig:

  • bei haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen (z.B. bei sogenannten Minijobs im Rahmen des Haushaltscheckverfahrens): Bescheinigung der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See
  • bei haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen: Die Kosten müssen durch eine Rechnung sowie die Zahlung auf ein Konto des Leistungserbringers (durch Überweisung oder Verrechnungsscheck) nachgewiesen werden. Barzahlungen und Barschecks können nicht anerkannt werden.
  • bei Pflege- und Betreuungsleistungen: Der Nachweis ist durch eine Bescheinigung (z.B. Leistungsbescheid) der sozialen Pflegekasse beziehungsweise der privaten Pflegeversicherung, durch ein amtsärztliches Attest oder durch einen Bescheid der für die Durchführung des Bundesversorgungsgesetzes zuständigen Behörde zu erbringen. Die Zahlung hat auf ein Konto des Leistungserbringers (durch Überweisung oder Verrechnungsscheck) zu erfolgen. Barzahlungen und Barschecks können nicht anerkannt werden.

Fristen

Wenn Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, müssen Sie Ihre Einkommensteuererklärung bis zum 31. Mai des Folgejahres abgeben. Wird Ihre Einkommensteuererklärung durch einen Angehörigen der steuerberatenden Berufe angefertigt, gilt eine allgemein verlängerte Frist bis zum 31. Dezember des Folgejahres.

Kosten

Es fallen keine Gebühren beziehungsweise Kosten an.

Sonstiges

Auskünfte zum Thema "Haushaltsnahe Dienstleistungen" erteilt auch das Finanzamt, in dessen Bezirk Sie wohnen.


Das Finanzministerium Baden-Württemberg hat in seiner Reihe "Aktuelle Tipps" das Merkblatt "Haushaltsnahe Dienst- und Handwerkerleistungen" mit weiteren Informationen zu diesem Thema herausgebracht.

Rechtsgrundlagen

Rechtsgrundlage für die Einkommensbesteuerung natürlicher Personen ist das Einkommensteuergesetz (EStG), insbesondere der § 35a EStG.


Lebenslagen